10 Dezember, 2002

Le Pornographe



Le Pornographe (Frankreich 2001)
R: Bertrand Bonello

Jaques Laurent steht in der Ecke am Fenster. Er, ein Porno-Regisseur mit charismatisch geschnittenem Gesicht und dem Charme alternder Intellektueller, steht sehr oft einfach da in diesem Film, immer die Hände in den Hosentaschen. Ein stilles Leiden, weil er, der in den 70ern Filme mit Sex drin inszeniert hat, um gegen das Establishment zu produzieren, jetzt selbst zu diesem gehört? Oder die Scham seinem Sohn gegenüber, der ihm gerade das lange nicht verzeihen konnte? Man kann sich das alles denken, sehen auf der Leinwand nicht. Das Schauspiel der „richtigen“ Akteure in diesem Film unterscheidet sich bis auf wenige Szenen kaum merklich von dem der Pornodarsteller in den ersten Sequenzen – sie interagieren zwar mit- aber doch nebeneinander. Ob dies als Konzept gemeint ist, weiß nur der Regisseur. Die Handlung wirkt jedenfalls hölzern und der tiefere Sinn wird dem Zuschauer durchgängig in gesellschaftskritischen Monologen über Computertechnologie, Vereinsamung und Ehe à la Houellebecq beigebracht. Einen leisen Film, der Antworten nur zwischen den Zeilen gibt und Platz für eigene Gedankenspiele läßt, muss man in einer anderen Vorstellung suchen, auch wenn „Le Pornographe“ wohl als solcher gedacht war.