03 März, 2003

À ma soeur!



À ma soeur! (2001)
R: Catherine Breillat

Wäre dies kein Film von Catherine Breillat, könnte man von anfänglicher Idylle sprechen: ein Ferienhäuschen mit Pool; Eltern, die mehr oder weniger nicht vorhanden sind und eine ungewisse Sehnsucht nach Liebe – das ist der Sommer für die Schwestern Anais und Elena. Nur ist die eine ein Zwischending aus Babykörper mit Speckwulsten und kleiner Frau mit knospenden Brüsten und die andere eine wunderschöne Lolita im Elfenkörper. Genauso unterschiedlich die beiden äußerlich sind, so ambivalent ist ihr Verhältnis zueinander – ein Gemisch aus Abscheu, Neid und Zusammengehörigkeit.
Als die schöne Elena den italienischen Jurastudenten Fernando kennenlernt, weist alles auf eine leichte Sommerromanze hin und Anais bezieht ihren verhassten Beobachtungsposten. So verlieren beide gemeinsam ihre Unschuld, werden ertappt und die Handlung treibt langsam auf die finale Katastrophe zu. Catherine Breillat hat nach „Romance“ einen vielschichtigen Film inszeniert, der wiederum mit sexuellen Tabus bricht, doch leiser und behutsamer, als in ihrem Vorgängerwerk. Sie entzaubert die Romantik der ersten Liebe und kontrastiert ästhetische Bilder mit Dialogen, die in ihrer Unverstelltheit grausam sind.
Dieser Film ist für alle Schwestern gemacht, die sich ihre zarte Zuneigung zueinander mit Hassliebe erkaufen mussten.