11 Mai, 2003

Mein erstes Wunder



Mein erstes Wunder (2002)
R: Anne Wild

Dole ist eine zwölfjährige Göre aus dem Bilderbuch – hübsch, intelligent und unverstanden vom Rest der Welt boykottiert sie den ersten gemeinsamen Urlaub mit dem neuen Liebhaber der Mutter (Juliane Köhler) am Meer. Diese hat beschlossen, dass Philipp, ein farbloser Erbauer zahlreicher Tankstellen in diversen Ferienparadiesen, genau der Richtige für eine vernünftige Beziehung ist. Dole findet das Männer ekelig sind und Nasenhaare haben und klettert aus Protest über die Ignoranz ihrer Mutter auf ein Baugerüst. Hermann (Leonard Lansink) rettet sie vor der aufgebrachten Menge und zwischen dem Mädchen und dem gut dreißig Jahre Älteren entwickelt sich eine Freundschaft mit Folgen. Denn auch wenn sowohl Hermanns Frau als auch Doles Mutter der aufkeimenden Beziehung zwischen den beiden zunächst mit Nachsicht begegnen, eskaliert die Situation, als herauskommt, dass Dole und Herrmann auch nach dem Urlaub nicht aufhören, sich zu treffen. Eines Tages verschwinden die beiden spurlos. Anne Wild vollzieht mit ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm die Gradwanderung zwischen Freundschaft, liebevoller Zuneigung und krankhafter Pädophilie nach, ohne einfache Erklärungsmuster vorzugeben. Vielmehr erinnert sie den Zuschauer an die kindlichen Momente reinen Glücks, die in der Welt der Erwachsenen oft nicht mehr wahrgenommen werden und die Hermann im Zusammensein mit Dole wiederfindet. In ihrer redundanten Darstellung wirken sie jedoch oft überzeichnet und verkommen zur Platitüde. Dole, die von Henriette Confurius allein durch ihre schauspielerische Haltung glaubwürdig verkörpert wird, bekommt vom Drehbuch Sätze in den Mund gelegt, die genau jene Glaubwürdigkeit ad absurdum führen. Weniger wäre mehr gewesen.