13 Juni, 2003

Xiaos Weg



Xiaos Weg (2002)
R: Kaige Chen

Xiao Chun (Tang Yun) ist 13 und ein Genie. Seit er fünf ist, gewinnt er mit seinem Geigenspiel regelmäßig Preise, obwohl er aus ärmlichen, provinziellen Verhältnissen kommt. Das hat er vor allem dem Ehrgeiz seines schlitzohrigen Vaters (Liu Peiqi) zu danken, der fast alles tun würde, um seinem Sohn als erfolgreichen Musiker zu sehen. So machen sich die beiden mit ihren wenigen Habseeligkeiten auf den Weg nach Peking. Dort lernt Xiao nicht nur den trotteligen Professor Jiang (Wang Zhiwen) mit seinen zwölf Katzen und einem seltsamen Verhältnis zur Ordnung kennen, sondern auch die schöne Lili (Chen Hong), die ständig damit beschäftigt ist, sich um ihre Liebhaber, neue Schuhe oder ihre Frisur zu kümmern. Bald jedoch schleicht sich die Weisheit des Jungen in deren Herzen und verändert ihr Leben. Im Gegenzug lernt Xiao, dass seine Gabe ihm nicht immer nur Annehmlichkeiten bringt und sein Vater erfährt, das Erfolg nicht alles ist im Leben. Chen Kaige, der durch seine Filme (Lebewohl, meine Konkubine), geholfen hat, chinesische Kultur auf westliche Leinwände zu bringen, hat eine Parabel über die wahren Werte des Lebens inszeniert, die eben für jenes westliche Publikum, in ihrer offensichtlichen Didaktik zu moralisch anmutet. Auch die Figuren wirken überzeichnet und hätten etwas Ambivalenz vertragen können. So steht Lili, mit ihrer Hysterie und Konsumgier zu offensichtlich für eine neue Tendenz in China und Xiao mit seinem Idealismus und abgetragenen Schuhen im Gegenpart für Reinheit und Bodenständigkeit. Doch wie heißt es so schön im Film: „Musik ohne Gefühl ist wie ein Gewehr ohne Munition“. Zu viel Pathos verstopft aber den Gewehrlauf!