08 August, 2003

Lukas Moodysson

Der Lässige unter den Regisseuren


Eigentlich hat Lukas Moodysson nur aus purer Langeweile angefangen, sich mit Film zu beschäftigen. Mit 17 hatte er bereits die Schule geschmissen und seinen ersten Gedichtband herausgebracht (It doesn´t matter where the lightning strikes), aber die Poesie erschien ihm zu selbstzentriert. Er wollte etwas ändern in seinem Leben, Koch werden oder eben Regisseur. Die Filmschule hat ihn angenommen, aus Gründen, die ihm selber heute noch schleierhaft sind. Desorientierung und Gelassenheit als Erfolgsrezept?
Als Ingmar Bergman, der große Mann des schwedischen Kinos, ihm telefonisch zu „Fucking Amal“ gratulierte, wären andere vor Ehrfurcht in den Boden versunken. Moodysson nahm es locker. Er müsse sich nicht mit Bergman messen. Eigentlich habe er gar nicht soviel über ihn nachgedacht. Muss er auch nicht unbedingt, denn bereits nach dem dritten Film (nach „Fucking Amal“, „Zusammen“ und „Lylia-4-ever“), der internationale Beachtung fand, ist seine Nominierungs- und Preisliste auf Festivals beachtlich lang. Der 34-jährige versucht sich davon zu distanzieren, aber eine „dumme“ Seite in ihm mag Preise, gab er in einem Interview mit dem „Guardian“ zu. Bei der schwedischen Filmpreisverleihung nutzte er seinen Gang auf die Bühne für eine längere Rede über den richtigen Umgang mit Film und der Tatsache, dass die „Königliche Oper“ nicht der richtige Platz für dieses demokratische Medium sei, das man kein Fleisch essen sollte und nicht zu schnell fahren, Kinder gut zu behandeln habe und das schwedische Steuersystem. Die Leute fingen an zu buhen und da hat er sich einfach gewehrt und ihnen den Finger gezeigt. Damit war sein Ruf als Enfant terrible der schwedischen Filmszene begründet. Moodysson tangiert auch das sehr wenig, er hat einen fast familiären Kreis von Leuten um sich geschart, mit denen er immer wieder arbeitet. Außerdem besteht er darauf, sich als Filmemacher politisch zu positionieren. Themen wie Solidarität und Gerechtigkeit sind für ihn essentiell. Sein kritischster und zugleich politischster Film der bei uns bisher gezeigt wird, ist unangefochten „Lylia-4-ever“. Es ging ihm darum den alltäglichen Handel mit Menschen zu thematisieren und zu zeigen, wie die westliche Welt die Ärmeren dieser Erde ausnutzt, ihnen Gewalt antut und sie schließlich tötet. Immer wieder erzählt Moodysson seine Filme aus kindlicher Perspektive, „denn Kinder sind verletzlicher“, deshalb will er ihnen Stimmen geben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er selbst am liebsten Kind bleiben würde, um sich eine gewisse naive Weltsicht zu bewahren und auf ewig mit Lego spielen zu können. Seine beiden Kinder bauen nämlich die viel kreativeren Raumschiffe, sagt er. Auf seine in diesem Jahr fertig gestellte Dokumentation (Terrorister – en film om dom) müssen wir leider hierzulande noch etwas warten. Lukas Moodysson ist zusammen mit Co-Regisseur Stefan Jarl zu den verurteilten Globalisierungsgegnern von Göteborg in die Gefängnisse gegangen, um mit ihnen über die Beweggründe für ihren Protest zu sprechen. Das dies ein wichtiger Film sein wird, steht nicht zu bezweifeln.

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