08 August, 2003

Lylia-4-ever

Keine Hoffnung, nirgends...


Lylia-4-ever (Sweden 2002)
R: Lukas Moodysson
D: Oksana Akinshina, Artyom Bogucharsky u.a.

Lylia steht auf einer Autobahnbrücke in Malmö. Wie sie dahin gekommen ist erzählt der schwedische Regisseur Lukas Moodysson mit radikalen Bildern und ohne das kleinste Licht am Ende eines dunklen Tunnels aufflackern zu lassen. Zunächst befinden wir uns in Estland, aber das spielt keine Rolle, denn Betonwüsten, mit viel Dreck und wenig Hoffnung finden sich überall auf der Welt. Orte an denen die Menschlichkeit verlorengegangen ist und alle nur weg wollen. Lylias Mutter hat ihre Sachen auch gepackt, um mit neuem Lover in den USA ihr Glück zu versuchen. Ihre pubertierende Tochter ist Störfaktor und wird zurückgelassen. Hilfe findet sich keine für Lylia, im Gegenteil, sie wird verstoßen, betrogen und missbraucht und als ein hilfsbereiter junger Mann, die 16-jährige zu einer richtigen Verabredung einlädt, kann diese ihr Glück kaum fassen. Nach Schweden solle sie mit ihm gehen, etwas zusammen aufbauen, verspricht er ihr. Lylia glaubt an diese mögliche Normalität, nur ihr Schutzengel Volodya, ein ebenso Geschundener wie sie, warnt sie vor dem trügerischen Traum. Der Junge wohnt im Block gegenüber und verehrt Lylia, weil sie ihm Unterschlupf gewährt, wenn der Vater mal wieder auf ihn eingeprügelt hat. Zusammen schnupfen sie Leim, teilen sich das wenige Essen und geben sich Nestwärme – eine zarte Notgemeinschaft. Lylia packt trotzdem ihre Sachen und dieses Mal ist sie diejenige, die im Stich lässt. Doch Schweden wird sie nicht warm empfangen, die Autobahnbrücke ihre letzte Station sein. Moodysson vermag seinem politischen Anliegen Totalität und Eindringlichkeit zu verleihen, die an die Schmerzgrenze gehen. Trotz oder gerade wegen dramaturgischen Entscheidungen, die teilweise hart am Kitsch vorbeischrammen – theatralische Musik von Rammstein und Volodya als Metapher für Jesus – zwingt er den Zuschauer keine Minute an der Wahrhaftigkeit seiner Geschichte zu zweifeln. Mit Oksana Akinshina und Artiom Bogucharsky gelang es ihm zudem zwei Darsteller zu chasten, die dem hohen Druck ihrer Rollen standhalten und uns Moodyssons Geschichte mit ihren Augen sehen lassen. Ein großer Film.

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