07 August, 2003

My Life Without Me



My Life Without Me (2003)
R: Isabel Coixet

Irgendwo in Kanada steht ein alter Wohnwagen in einem etwas verwilderten Garten, darin wird ein bunter Glasperlenvorhang beiseite geschoben, der Blick fällt auf zwei wunderschöne Mädchen. Sonst nicht viel. Ann (Sarah Polley) wohnt hier mit Don (Scott Speedman) und den Kindern. Sie haben sich auf dem letzten Konzert von Nirvana kennengelernt, sich verliebt und dann ging alles ganz schnell. Geld haben sie wenig, lieben sich aber trotz der Nachtschichten, die Ann als Putzfrau in der Uni schiebt fast jeden Tag im Morgengrauen. Don will mit seiner Frau und den Kindern ans Meer, falls es mit dem neuen Job klappt. Alles sehr liebevoll. Fast Hippie-Idylle. Doch dann eines Tages fällt Ann einfach um. Im Krankenhaus traut der Arzt ihr nicht in die Augen zu sehen. Er sagt ihr dann trotzdem, dass sie bald sterben wird.
Ann ist in einem Alter wo man Ginger-Bonbons noch zu scharf findet und sich mindestens noch einmal neu verlieben müsste – sie ist 23. Was tun, wenn man plötzlich aufwacht, merkt, dass man Träume hat und weiß, dass man seine Kinder nicht aufwachsen sehen wird? Die Regisseurin Isabel Coixet lässt ihre Heldin stark sein, obwohl sie zerbrechlich und zart wirkt, schickt sie los, Leben aufzuholen. Wir dürfen gerührt zusehen, wie sich Ann im Stillen mit ihrer frustrierten Mutter (Deborah Harry) aussöhnt, ihren Vater (Alfred Molina) besucht, der seit Jahren im Gefängnis sitzt und wie sich Lee (Mark Ruffalo) im Waschsalon in Ann verliebt und dabei sogar manchmal lächeln, meistens aber weinen. Die Handlung hat durchaus Längen, wird doch in fast tagebuchähnlicher Manier die ausweglose Reise einer jungen Frau in den Tod zelebriert. Doch eigentlich ist das egal, denn man wird von einem warmen Strudel Emotionalität durch den gesamten Film getragen und am Ende zwar völlig zerstört, traurig aber mit dem festen Vorsatz gleich heute mit einer ordentlichen Portion Träume-Verwirklichen zu beginnen in das gleißende Sonnenlicht der Realität entlassen. Richtiges Kino eben.