07 August, 2003

Whale Rider



Whale Rider (2002)
R: Niki Caro

In einem kleinen neuseeländischen Maori-Dorf wird Pakeia der Walreiter als Begründer des Stammes verehrt. Doch die Spuren westlicher Zivilisation drohen die Traditionen und Riten der Indianer langsam verschwinden zu lassen.
Koro, der Häuptling des Dorfes setzt alle Hoffnung in die Geburt eines Enkels, der als würdiger Nachfolger seinem Stamm wieder Stärke geben soll. Doch von den Zwillingen, die das Licht der Welt erblicken, stirbt der Junge und nimmt seine Mutter mit sich. Nur das Mädchen überlebt. Ihr Vater Porourangi nennt sie Paikea und verlässt Dorf und Kind um zu trauern. Der kauzige Koro schließt die kleine Pai trotz anfänglicher Ablehnung bald in sein Herz, versucht aber trotzdem auf anderen Wegen, einen Stammhalter zu erziehen. Die erstgeborenen Söhne des Dorfes müssen antreten, um sich in Taiaha, dem traditionellen Stockkampf, Gesang und Geschichte des Stammes unterrichten zu lassen. Mädchen sind nicht zugelassen. Aber so schnell gibt Pai nicht auf. Sie weiß ganz tief in sich drin, dass sie dazu bestimmt ist, das Dorf zu führen, steht sie doch in direktem Kontakt zu ihren Vorfahren.
Vorsichtig und mit leisem Humor hat Regisseurin Niki Caro den Mythos um Paikea inszeniert. Sie führt die Maori nicht als schöne Wilde in atemberaubender Kulisse vor, sondern setzt ein sehr zeitgemäßes Problem, welches zugleich zeitlos ist - denn Werte und Traditionen befinden sich ja bekanntlich immer im Wandel - mit erzählerisch traditionellen Mitteln um. So lebt die Geschichte nicht von überraschenden Wendungen sondern vor allem von der beeindruckenden Leinwandpräsenz, die Keisha Castle-Hughes der Figur der Pai zu geben vermag. Man leidet, kämpft und bangt mit dem Mädchen bis zur letzten Minute, weiß aber immer, dass sie es schaffen wird, ihrem Großvater zu beweisen, dass auch eine Frau mutig genug sein kann, Verantwortung für die Zukunft eines ganzen Stammes zu übernehmen.