08 Oktober, 2003

Lola



Lola (2001)
R: Carl Bessai

Eine indifferente Realität, die keiner Festlegung, keiner Verantwortung bedarf, ist Lolas Welt. Ebensowenig wie sie weiß, welchen Typ Auto sie fährt, warum sie eigentlich eine Therapie anfangen will und aus welchem Grund sie nicht mehr mit Mike, ihrem Mann, schläft, ebenso sorglos geht sie mit ihrem Talent um. Ab und an schneidert sie eine neue Kollektion T-Shirts zusammen, ohne so recht daran zu glauben und Mike hält ihr in immer wiederkehrenden Streits schulmeisterisch diese Unfähigkeit einer Entscheidung für Irgend etwas vor. Lolas Leben verläuft im Leerlauf. Als sie an einem ihrer mit nichts Richtigem verbrachten Tage, der extrovertierten Sandra das Leben rettet, tritt Sinn in ihre Existenz. Allerdings nicht im Sinne Mikes, sondern Sandra zeigt ihr, dass nichts wirklich zählt außer dem Heute. Sie reißt Lola aus ihrer behüteten Welt hinein in eine Reise durch die Nacht, die hart ist im Gegensatz zu Lolas flüchtigem Gleiten durch den Tag. Als Sandra von ihrer Vergangenheit eingeholt wird und dabei ihr Leben verliert, nimmt Lola ihre Identität an und findet dadurch ein Fundament für ihr künftiges Sein. Für die überraschenden Wendungen seiner Geschichte findet der kanadische Regisseur Carl Bessai immer neue bildliche Metaphern, montiert beispielsweise die raue Landschaft Kanadas parallel zu Lolas Abgründen, stellt stilisierte Bilder neben dokumentarische Straßenszenen und bleibt dabei immer ganz dicht an seiner Protagonistin, lässt uns die Geschichte mit ihren Augen sehen. Damit gelingt ihm ein originelles Porträt, einer gewöhnlich verrückten Großstädterin um die Dreißig, die bei näherem Hinsehen das Typische einer ganzen Generation offenbart.