08 Dezember, 2003

Nói albínói

Flache Gräber und Malzbier


Nói albínói (Island 2003)
R: Dagur Kári
D: Tómas Lemarquis, Elín Hansdóttir u.a.

Ein kleiner Ort inmitten der wintermärchenweiβen isländischen Fjordlandschaften: die Menschen, die hier wohnen haben sich der Kargheit ihrer Umgebung angepasst, machen wenig Worte um ihr Tun und Fühlen. Hier lebt Noi ( Tómas Lemarquis) mit seiner Groβmutter. Die ist auch nicht gerade redseelig und befördert ihren Enkel schon mal mit der Schrotflinte aus dem Bett. Ab und an schaut Nois Erzeuger vorbei, der jedoch seinen väterlichen Pflichten nicht richtig nachkommen kann, weil er trinken muss, um zu vergessen, dass er nicht der zweite Elvis geworden ist. Noi ist also ziemlich auf sich alleine gestellt und weil er auβerdem schon siebzehn ist, gibt es niemanden der ihn dazu bringen könnte, regelmäβig die Schule aufzusuchen. Lieber schickt er sein Diktiergerät als Vertretung und hängt an der Tankstelle rum, trinkt Malzbier oder besorgt sich das eine oder andere Schmuddelheftchen bei seinem Bekannten, dem Buchhändler. Eines Tages taucht Ines, dessen Tochter, hinter dem Tresen der Tanke auf. Sie ist auf Urlaub von der Stadtluft und Noi verliebt sich vom Fleck weg. Die beiden beginnen von Südseeinseln und Palmen zu träumen, vom Leben im Kontrastprogramm.
Dagur Kári erzählt seine Liebesgeschichte mit dem selben spröden Humor, wie er auch Nois schlussendlichen Rauswurf aus der Schule und dessen spätere Karriere als Totengräber inszeniert. Seine Figuren sind nicht kapriziös gespielt, entfalten aber gerade deshalb jede für sich eine Aura, die den Film auf der Stelle sympathisch machen. Kári ist mit seiner Geschichte auch sonst immer irgendwo dazwischen: Noi ist halb asozialer Sonderling, halb genialer Aussteiger, die Liebesgeschichte bittersüss und ohne Happy End, der Schluss deshalb tragisch mit trotzdem guten Aussichten. Damit ist dem Isländer ein universales Meisterwerk der unaufdringlichen Zwischentöne gelungen und gleichzeitig eine kleine feine Hommage an sein Heimatland mit all seinen Sonderbarkeiten.