04 Juli, 2003

Okay



Okay (2002)
R: Jesper W. Nielsen

Für alle Eventualitäten des Lebens bietet dieser Film Handlungsanweisungen: Kindererziehung, Vater-Sohn-Konflikte, Schwul-lesbische Familiengründung, Eheprobleme, Tod.
Leider werden die Lösungsvorschläge der kleinen bis mittleren Krisen wenig überraschend erzählt. Paprika Steen gibt in der Rolle der Nete wieder einmal die überforderte Frau aus der Mitte des Lebens, die trotz pubertierender Tochter, einem schriftstellernden Ehemann und ihrem sterbenden Vater ihren enervierenden Hang zur Verbesserung der Welt nicht aufgibt. Tatkräftig sorgt sie dafür, dass ihr Vater seine letzten Wochen im Schoße der Familie verbringt. Dieser lebt jedoch länger als erwartet und bringt dadurch das Leben seiner Lieben aus dem Gleichgewicht. Tochter Trine emanzipiert sich mit seiner Hilfe von ihrer Mutter und Ehemann Kristian landet in den weißen Laken einer seiner Literaturstudentinnen, die endlich mal Verständnis für sein literarisches Werk aufbringt. Wir lernen: Männer brauchen Anerkennung und Motivation. Für so was hat Nete natürlich gar keine Zeit, muss sie doch Opas alte Wohnung entrümpeln und ihrem schwulen Bruder moralisch unter die Arme greifen. Der wird nämlich gerade Vater. Dazu hat Regisseur Jesper W. Nielsen noch handfeste Kritik am dänischen Gesundheitssystem und den überteuerten Preisen für ein Kraftfahrzeug dortzulande in seinen Film gepackt. Präsentiert in einem diffusen Gemisch aus Handkamera- und Werbefilmästhetik und umrahmt durch Musik, die stark an eine dänische Version von „Superstars“ erinnert – übrigens Paprika Steen singt auch -, lässt Nilsens Machwerk auch auf der technischen Ebene an Fingerspitzengefühl vermissen. Außerdem landet mindestens ein Zitat aus „Okay“ auf der Liste der Sätze, die wir nie wieder in einem Film hören wollen: „Ach und dann war ich noch bei der Kleinen, die du gerade fickst