09 Januar, 2004

21 Gramm



21 Grams (2003)
R: Alejandro González Iñárritu

Streiften sich die Lebensgeschichten seiner Figuren in Alejandro González Inárritus Vorgängerfilms „Amores Perros“ nur an einzelnen Anknüpfungspunkten, hängt in seinem neuesten Film alles mit allem zusammen. Die Leidenswege von Jack (Benicio Del Toro), dem ehemaligen Häftling, der nun zu Gott gefunden hat und seine Familie mit rigorosen Glaubensauslegungen terrorisiert, der drogensüchtigen Christina (Naomi Watts) und dem herzkranken Paul (Sean Penn), karambolieren an entscheidenden Einschnitten in deren Leben.
Es beginnt alles in einem drittklassigen Motel an irgendeinem Highway in Amerika: Christina und Paul im Bett. Einige Türen weiter haust Jack, der seine Familie verlassen hat, weil er Frau und Kindern vor lauter Selbsthass nichts mehr zu geben vermag. Wie es dazu kommen konnte erzählt Inárritu in verschachtelten Rückblenden und poetischen Bildern (Kamera: Rodrigo Prieto). Langsam bewegt er sich so in die Zeiten zurück, in denen Christina noch Mutter zweier wunderschöner Mädchen und glücklich mit Michael verheiratet war. Derweil hustete sich Paul die Seele aus dem Leib. Ohne Sauerstoffapperatur schaffte er es nicht mal mehr aufs Klo. Seine Exfreundin war zu ihm zurückgekehrt, um ihn zu pflegen und zudem wollte sie ein Kind von ihm. Alte Wunden sollten geheilt werden. Dann der Anruf aus der Klinik: ein Spenderherz wurde gefunden. Als das Telefon bei Paul klingelte, war Jack gerade damit beschäftigt, sein Leben in die richtigen Bahnen zu bekommen.
Spätestens ab dem Mittelteil gerät dann das Melodram um Rache, Ehre und Vergebung, welches wie ein Schiffchen auf stürmischer See immer wieder geradezu auf eine Klippe zusteuert, um sie dann doch noch rechzeitig zu umschiffen, gefährlich ins Schlingern, erahnt nun wohl auch der Letzte, an welchem Felsen die konstruierten Schicksalsschläge zerschellen werden. Die Auflösung des Beziehungsgeflechts gerät deshalb auch trotz asynchroner Erzählweise weder originell noch überraschend. Kann man auβerdem der hochkarätigen Schauspielerriege nicht ihr emotional dichtes Spiel absprechen, so scheint es trotzdem, dass auch diese im starren, dramaturgischen Korsett des Films gefangen ist, der unbedingt zu einem moralischen Ende finden MUSS. Alles was der Regisseur in Eingangs erwähntem Erstling noch andeutete und trotzdem überzeugend zeigte, wird hier gnadenlos zu Ende erzählt und verliert gerade deshalb an Spannung und Aussagekraft.