03 Februar, 2004

Frühling, Sommer...

Im Wechsel der Zeiten


Bom yeoreum gaeul gyeoul geurigo bom (2003)
R: Ki-duk Ki

Der kleine und der alte Mönch leben in einem schwimmenden, reich verzierten Tempel inmitten eines klaren Bergsees umgeben von hohen Bergen und grünen Wäldern. Den ganzen Tag verbringen sie mit Beten, Kräutersammeln und Rudern. Die Sonne wirft ihre zarten Strahlen auf die Erde und alles ist gut. Doch dann entdeckt der kleine Mönch die Grausamkeit in sich und bindet einem Frosch, einem Fisch und einer Schlange Steine um den Leib und freut sich diebisch über deren Leiden. Am nächsten Morgen erwacht er ebenfalls mit einem Felsbrocken auf dem Rücken und die Schuld die er auf sich geladen hat, wird er niemals mehr losbekommen. Als dann im Sommer seines Lebens die ordinäre Liebe in Form eines kränkelnden Mädchens in den Tempel einzieht überhört der junge Mann die Weissagungen seines Meisters. Der Alte warnt ihn: Aus Begierde ensteht Abhängigkeit und daraus erwachsen Mordgedanken. Tatsächlich zieht der junge Mönch in die Welt als Liebender hinaus und kommt als Mörder zurück. Vom Selbsthass zerfressen will er sich umbringen. Doch wieder erteilt der Meister ihm eine Lektion und schlägt ihn bis aufs Blut. So seltsam die Methoden anmuten, die der alte Mönch benutzt um seinen Schützling vor dem qualvollen weltlichen Leben zu bewahren, so wirkungsvoll scheinen sie am Ende zu sein, denn der Kreislauf der Tempelherrn kann nahtlos fortgesetzt werden.
Märchen sind oft grausam, das haben wir schon als Kinder gelernt und jede Menge böse Stiefmütter, Hexen und Drachen hoffentlich seelisch heil überlebt. Die Variante die .... uns erzählt ist von verschreckender Einfachheit in ihrer Symbolik und wirkt gerade in Zeiten, in denen wir versuchen über Fanatismus, Religion und den Kampf der Kulturen zu reflektieren reichlich eindimensional. Aber unter Umständen ist genau die radikale Abkehr vom irdischen Jammertal in seiner Hoffnungslosigkeit ein Statement, welches wir als solches einfach akzeptieren sollten. Denn auch die Geschichte der Menschheit folgt nur den periodischen Gesetzen der Jahreszeiten.