20 Februar, 2004

Stratosphere Girl

Verlorenes Mädchen in Tokio, die Zweite


Stratosphere Girl (2004)
R: Matthias X. Oberg

Angelas (Chloé Winkler) Leben ist Comic. Sie zeichnet sich ihre Welt, taucht unter und verschwindet in ihr. Auf einer Party verliebt sie sich ein bisschen in den japanischen DJ Yamamoto (Jon Yang), Mangas und Anime faszinieren sie sowieso und da sie nicht weiß, was sie grade mit ihrem Leben anfangen soll, entscheidet sie sich für das Abenteuer. Helden gehen eben einfach und fragen vorher nicht um Erlaubnis und so ist Angela schneller in Tokio als sie zeichnen kann. Überwältigt von der ungewohnten Atmosphäre, der Schnelligkeit, dem alles überstrahlenden Licht der blinkenden Werbeschilder fühlt sich die Heldin dann doch etwas verloren.
Spätestens an dieser Stelle fühlt man sich merklich an Sofia Coppolas Tokioer Geschichten erinnert. Es scheint einen speziellen westlichen Blick auf diese Stadt zu geben, der sich in einer Bildästhetik materialisiert, die geprägt ist von den Einflüssen einer Musik- und Werbekultur, die Sehnsüchte erfüllen hilft. Sie lässt uns gerade das wiederfinden und erfühlen, was wir selbst vielleicht gerne in Tokio suchen würden: Fahrten durch lichtdurchtränkte Straßenschluchten zum Soundtrack der Vereinzelten? Unsere Wurzeln in der Fremde? Wahlweise Nils Petter Molvaer oder doch lieber Air? Sehen blonde, elfengleiche Mädchen nicht auch wunderbar einsam aus zwischen all den Unbekannten?
M.X. Oberg versucht dann doch etwas ganz anderes, er erzählt einen Thriller. Angela findet einen Hostessenjob in einem jener Clubs, in denen unterkühlte Europäerinnen viel Geld machen können. Doch die Konkurrenz ist hart und als Angela herausfindet, dass eines der Mädchen, Larissa, auf seltsame Weise verschwunden ist, gerät sie selbst in große Gefahr. Alle Linien führen zu dem schmierigen Geschäftsmann Kruilmann (Filip Peeters) und auch DJ Yamamoto scheint seine Finger mit im Spiel zu haben.
Oberg lässt seine Heldin um ihr Leben zeichnen. Geschickt, vor allem visuell perfekt umgesetzt gelingt es ihm die Traumebene des Gezeichneten in den Wachzustand zu versetzen ohne das die Story an Dichte verliert. Fast hätte man sich die Atmosphäre seines Tokios jedoch noch dunkler, gefährlicher gewünscht und den Ausgang der Geschichte tragisch. Aber ein richtiger Held darf nicht sterben und so zeichnet Angela sich ein Happy-End. Wie im guten alten Tintin Comic eben!

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