10 April, 2004

Blue End



Blue End (2000)
R: Kaspar Kasics

1993 wurde in Huntsville, Texas nach fünzig Jahren wieder ein Todesurteil vollstreckt. Am 5. August des genannten Jahres, um 24 Uhr 31 trat der Tod des Häftlings Nummer D/R 699 ein. Der Mann hinter der Nummer war Paul Jernigan, heute eher bekannt als der „Visible Man“. Jernigan hatte verfügt, dass sein Körper für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden sollte. Was er nicht wusste war, dass Dr. Spitzer und Dr. Ackerman seit Jahren einen gesunden, nicht ledierten Körper suchten, um diesen auf minus 70 Grad herunterzufrieren, in kobaltblaue Gelatine zu gieβen und dann in millimeterdünne Scheiben zu schneiden. Der Todeskandidat erfüllte alle erforderlichen Maβe der Schneidevorrichtung und war dazu noch topfit, denn wie Spitzer im Expertenton anmerkt, geben Exekutiere eine „ziemlich gute Leiche“ ab, denn wenn „du krank bist, richten sie dich nicht hin“.
Er muss von physischen Krankheiten sprechen, denn die psychischen wurden bei Paul Jernigans Prozess nicht in Betracht gezogen. Für den Staatsanwalt verkörperte er den Teufel in Person und die Pflichtverteidigerin räumt im Nachhinein grobe Versäumnisse bei der Beweisführung ein. Zurück bleiben Pauls Bruder Bobby, seine Ex-Ehefrau und zwei Stiefkinder, die sich mehr oder weniger mit der Tatsache anfreunden konnten, dass sich jeder User des Internets (www.nlm.nih.gov) auf eine virtuelle Reise durch Paul Jernigans Körper begeben kann.
Regisseur, Drehbuchautor und Produzent des Filmes Kaspar Kasics hat seine Reise auf den Spuren des ersten digitalen Anatomieatlasses sehr weiträumig angelegt und ist dabei nur vage an den Menschen Jernigan herangekommen. Irgendwo zwischen Kritik an der Hinrichtungspraxis in Texas, medizinischen Einblicken in die Prozedur der exakten Zerstückelung einer Leiche, mit den anklingenden ethischen Bedenken und den Erinnerungen des trauernden Bobby scheint ein Stückchen emotionale Wahrheit der Geschichte um den Todeskandidaten D/R 699 zu liegen. Kasics konnte sich jedoch offensichtlich nicht entscheiden, was genau er mitteilen wollte und blieb deshalb auf der sicheren Seite einer ambitionierten Fernsehreportage: eine ausgleichende Balance zwischen allen recherchierbaren Aspekten verpackt in einer standardmäβigen Bildästhetik.

3 Comments:

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18 Juli, 2006 13:43  
Anonymous Anonym said...

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18 Juli, 2006 13:43  
Anonymous Anonym said...

Well done!
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18 Juli, 2006 13:43  

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