11 Juni, 2004

At 5 in the Afternoon

Auf den weißen Sohlen der Hoffnung


At 5 in the Afternoon (2003)
R: Samira Makhmalbaf
D:Agheleh Rezaie, Abdolgani Yousefrazi u.a.

Lorca schrieb sein Gedicht als Erinnerung an einen spanischen Matador, Samira Makhmalbaf nutzt es als symbolisches Sprachspiel für ihren Film, der mehr ist als eine Momentaufnahme afghanischer Lebensumstände in Zeiten nach der Taliban. Obwohl die iranische Regisseurin nicht wertet und verurteilt, erhebt sie doch hörbar die Stimme für die afghanischen Frauen, zeigt sie in ihrer Stärke und Anmut, entschleiert sie, indem sie Nogreh, ihrer Hauptfigur, die wiederum symbolischen weiβen Pumps anzieht und sie stolz und aufrecht durch die staubigen Straβen Kabuls schreiten lässt. Nogrehs Vater ist ein Anhänger der Taliban, ein fanatischer Gläubiger, der mit der Gottlosigkeit, die über sein Land gekommen ist nicht weiter leben kann. Er will seine Tochter und seine Schwägerin, mit ihrem Neugeborenen in eine muslimische Stadt bringen und sie damit erretten. Auf ihrem Weg durch die Trümmerwüsten begegnen ihnen entwurzelte Menschen, ohne Hoffnung und Nahrung. Nogreh aber ist nicht entmutigt, sie möchte ihre neugewonnenen Chancen nutzen und für ihr Land da sein, sich bilden und die Sprache der Demokratie erlernen. Ihr groβes Vorbild ist Benazir Bhutto und sie träumt davon eines Tages Präsidentin von Afghanistan zu werden. Ihr Freund, der Dichter unterstützt sie und zwischen den beiden entwickelt sich ein Dialog, der den poetischen, fast mystischen Rahmen des Filmes bildet. Samira Makhmalbaf hat wie schon in ihrem vorherigen Spielfilm „Der Apfel“ ihre Darsteller am Schauplatz ihres Filmes gefunden und damit auch ihre Dialoge. Dadurch gelingt es ihr, den Konflikt zwischen Tradition und Moderne nachfühlbar zu machen ohne zu pauschalisieren, geht es ihr doch nicht nur um die mediale Wiedergabe eines politischen Konflikts mit Nachrichtenwert, sondern um eine tiefer gehende und weltweite Auseinandersetzung mit Fanatismus und seinen Wurzeln.