09 Juli, 2004

Five Obstructions

Es kann nur einen geben?


Five Obstructions (2003)
R: Lars von Trier
D: Jørgen Leth u.a.

Filmemacher stellen sich oft genug schon selbst gedankliche Konstrukte als Hindernisse in den Weg. Wenn man sich dann auch noch den Kopfgeburten anderer ausliefert, kann es gefährlich werden. Begibt man sich jedoch freiwillig in die Klauen Lars von Triers, um nach dessen Regeln einen Film zu machen grenzt das an selbstmordgefährdende Waghalsigkeit. Jørgen Leth, Trier eine Generation voraus und wohl einer der geradlinigsten dänischen Dokumentarfilmer hat den Kontrakt mit dem Teufel gewagt und seinen 1967 gedrehten Film „The Perfect Human“ neu verfilmt. Ein Unding an sich. Trier gab unbarmherzig die Regeln vor, während er und Leth bei Kaviar und Kaminfeuer feilschten. Schnell wird klar, was Trier eigentlich will: nicht der perfekt verfilmte Mensch soll dekonstruiert werden, sondern der perfekte Mensch Leth. Die coole Distanz mit der dieser die Beobachterposition eingenommen hatte, um einen kontrollierten Blick auf die menschliche Spezies zu werfen provozierte Trier durch seine bestechende Glätte. Er wollte Leth brechen, ihn emotional involvieren. Entstanden sind fünf Filme unterschiedlichster Qualität, die aber nie das erreichen, was Trier wohl erreichen wollte: ein Scheitern, das neue Genialität hervorbringt. Trotzdem ist „Five Obstructions“ ein kleiner, luxeriöser Geniestreich, denn dekadenter kann eine Auseindersetzung über wahres Filmemachen fast nicht sein: wo treffen sich schon zwei Meister und lassen es sich viel an Geld (zum Beispiel die Animationscrew hinter „Waking Life“), Zeit (drei Jahre) und Nerven (How does the perfect human fall?) kosten, um ein unmögliches Spiel zu gewinnen? Am Ende bleibt das Unentschieden.