07 Dezember, 2004

Schneeland



Schneeland (2005)
R: Hans W. Geissendörfer
D: Thomas Kretschmann, Julia Jentsch u.a.

Rau und peitschend weht der Schneesturm in den Weiten Lapplands. Die Schriftstellerin Elisabeth (Maria Schrader) ist auf der Flucht vor ihrem Leben. Ihr Mann ist gestorben und sie will ihm in den Tod folgen. Angezogen von einem mystischen Ruf der aus der eisigen Schneewüste zu ihr dringt, rennt sie querfeldein in die klirrende Kälte. Nach und nach lässt Regisseur Hans W. Geißendörfer Elisabeth eine Parallelwelt entdecken, die gut 60 Jahre entfernt liegt:
1937 ist Ina (Julia Jentsch) gerade 20 geworden. Sie lebt mit ihrem jähzornigen, verkrüppelten Vater (Ulrich Mühe) auf einem abgelegenen Hof. Ihre Mutter Helga (Ina Weisse) ist seit kurzem tot. Seither muss sie die Prügel ihres Vaters, dem Knövel vom Nattmyrberg, wie ihn alle nennen, alleine ertragen. Außerdem wird sie von ihm regelmäßig vergewaltigt, bildet er sich doch ein, sie müsse ihm als Tochter nun auch die Frau ersetzen. All dies findet Elisabeth heraus, als sie fast erfroren auf dem Nattmyrberg ankommt und in den ärmlichen Bauernkaden nach menschlichem Leben sucht. Nur kann Ina der Schriftstellerin ihr Schicksal nicht mehr selbst erzählen, sie liegt tot und vom Schnee verweht vor ihrem Haus.
Die dramatische Dichte mit der Geißendörfer das Leben auf dem Einsiedlerhof in den späten 30er Jahren schildert, wird immer wieder durch Zeitblenden in das Jetzt der Erzählebene gebrochen. Der Regisseur lässt Elisabeth in den Schubladen der Toten nach deren Geschichte sticksern und versucht dadurch die Schicksale der beiden Frauen zu verknüpfen. Dies ist problematisch, denn atmet das Lappland der Vergangenheit förmlich, mit all seiner brutalen Unmittelbarkeit, die sich in naturgewaltigen Bildern, aber vor allem in den beiden Figuren der Ina und des alten Knövel materialisiert, so scheint Maria Schrader als Elisabeth eher über eine puderzuckerne Theaterbühne zu flüchten, als durch echte Schneewehen. Ihre Monologe – oder besser Dialoge mit Ninas Leiche – sind zu schwaches Gegenstück zum eisigen Hass zwischen Nina und ihrem Vater. Die Parallelwelten des immerhin zweieinhalbstündigen Epos treffen sich deshalb trotz aller angestrengten Inszenierung nie wirklich.