12 Mai, 2004

Dieses Jahr in Czernowitz



Dieses Jahr in Czernowitz (Deutschland 2004)
Regie: Volker Koepp

Volker Koepp war schon einmal in Czernowitz gewesen. Damals drehte er „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“, einen Film der den Zuschauer durch die Erinnerungen seiner Protagonisten emotional in die Welt des Czernowitz schmerzlich vermisster Zeiten eintauchen lieβ. Damals als es noch eine multikulturelle Stadt war, geprägt von dem Miteinander verschiedener Nationen – Ukrainer, Polen, Rumänen, Deutscher und Huzulen – aber hauptsächlich beeinflusst durch eine starke jüdische Kultur. Diesmal besucht Koepp die Familien der Juden, die gezwungen worden waren ins Exil zu gehen, um herauszufinden, was diese mit der einstigen Heimat ihrer Eltern und Groβeltern verbinden. Das ist ihm allerdings nur in wenigen Momenten gelungen, denn Koepp scheint in seinem Film von Interview zu Interview zu hasten, ohne den Menschen vor der Kamera die nötige Luft zum Entfalten einzuräumen. So wirkt es mehr als aufgestellt, wenn zum Beispiel Harvey Keitel am New Yorker „Long Beach“ über Emigrantenströme nachdenkt und auch den aus Wien angereisten Schwestern Evelyne Mayer und Katja Rainer kann Koepp kaum mehr als Floskeln entlocken, als diese sich im heutigen Tscherniwizi auf die Suche nach ihren Wurzeln begeben. Das die Einzelinterviews in voller Länge durchaus einen geschichtlichen Wert besitzen dürften, soll hier nicht abgestritten werden, nur geht dieser durch die erzwungene Dramaturgie des Filmes stellenweise völlig verloren.