10 November, 2004

Resist!

Leben für den Widerstand


Resist! (2004)
R: Karin Kaper, Dirk Szuszies
D: Julian Beck, Judith Malina u.a.

Das „Living Theatre“ ist aus einer Liebesgeschichte zweier kompromissloser Friedenskämpfer hervorgegangen: Judith Malina und Julian Beck. Vor fünfzig Jahren gründeten sie die legendäre Theaterkompanie in New York, wollten das Theater und dessen Rezeption revolutionieren. Sie gingen mit ihrer Truppe auf die Straße und spielten vor einem vorbeiflanierenden Publikum. Slogans wie „Paradise now!“ und „Das Geld ist der Feind“ machten sie in Europa bekannt und sie wurden zu einem wichtigen Teil der hiesigen Friedensbewegung. Ihre Themen sind bis heute von der aktuellen Politik geprägt und sie prangern an, wenn wieder einmal auf Kosten Unschuldiger ein Krieg vom Zaun gebrochen wird. Trotzdem oder gerade deswegen blieb das „Living“ immer ein Fremdkörper im eigenen Land, folgte das Ensemble doch auch nach dem 11. September nicht der regierungstreuen Meinung sondern begab sich am Rande des Ground Zero auf differenzierte Ursachenforschung für die Terroranschläge.
Der Berliner Regisseur Dirk Szuszies war selbst Mitglied des „Living“ und dies verrät vielleicht auch, warum dieser engagierte Film ohne jeden populistischen Anstrich und jedes Hippie-Klischee auskommt und trotzdem emotionalisiert. Eigentlich hat der Film weder Hauptprotagonisten, auch wenn die charismatische Judith Malina immer wieder zu Wort kommt, noch rollt er die persönlichen Geschichten der Ensemblemitglieder auf. Er bleibt sehr dicht an der eigentlichen Botschaft der Truppe und verfolgt deren Aktionen in Genua auf dem G8-Gipfel oder im berüchtigten Strafgefangenenlager der israelischen Armee im Libanon, in Khiam. Auch die filmerischen Mittel wirken schlicht, oft wird auf Archivmaterial zurückgegriffen.
„Resist!“ und seine einfache Botschaft ist zeitlos und passt gerade deshalb gut in unsere Zeit, denn er gibt dem Zuschauer die Hoffnung zurück, dass irgendetwas noch möglich ist, jenseits von Zynismus und Resignation. Und wenn die Times fragt, ob diese Form der Flower-Power-Politik noch Lösungsansätze für die Probleme unserer Zeit bietet, dann will man sich aus seinem Kinosessel erheben und ganz laut „Resist now!“ rufen.