09 Januar, 2005

Helbra

Die andere Heimat


Helbra (Deutschland 2003)
R: Mario Schneider

Von 1986 bis 1989, ein Jahr vor der Schließung der Kupferhütte in Helbra arbeitete Mario Schneider selbst unter Tage – Berufsausbildung mit Abitur wie es im Osten üblich war. Mit einer Hommage an diese Hütte beginnt auch sein gleichnamiger Film „Helbra“: Videosequenzen, aufgenommen von den Bergleuten selbst, beim Fall ihres Schornsteins. Der Bergbau hat die Region am Ostrand des Harzes über 800 Jahre lang geprägt, weiß der Regisseur: „Es war immer laut mit den Maschinen und unter Tage, deshalb musste man schreien, um sich zu verständigen“. Der typische Mansfelder sei deshalb auch laut und geradlinig aber immer ehrlich dabei. Auch wenn Schneider wegging um zunächst Metallurgie zu studieren, dann seine Leidenschaft für die Musik entdeckte – er studierte Klavier und Komposition an der Leipziger Musikhochschule – und schließlich in München landete, wo er Filmkomposition studierte, die schlichte Tatsache, dass er auch mal einer von ihnen war, hat ihm die Türen geöffnet, als er für seinen ersten langen Dokumentarfilm in die Heimat zurückkehrte.
Aber was heißt eigentlich seinen Film? Eigentlich ist es ja die Geschichte dreier junger Männer, Mathias, Michael und Markus die trotz oder gerade wegen der gleichförmigen dörflichen Idylle in Helbra nach der Wende Drogen für sich entdeckten. Das Mansfelder Land hat mittlerweile die zweithöchste Arbeitslosenquote in Deutschland. Gleich um die Ecke, in Halle, gab es alles was die Jungs brauchten, um ihre Perspektivlosigkeit und ihre Langeweile zu vertreiben, auch Heroin.
Mario Schneider hat versucht behutsam mit den anvertrauten Geschichten der Jungen und ihrer Familien umzugehen und nichts unnötig zu inszenieren oder zu pauschalisieren, „schließlich habe man ja auch eine Verantwortung für seine Protagonisten“, sagt der Regisseur.
Ein ungewöhnlicher Heimatfilm ist dabei herausgekommen, doch die Helbraer haben ihn „fast überschwenglich“ aufgenommen, wie der Filmemacher erzählt. Damit hatte er nicht gerechnet. Der Film ist also nun ein Film aller Helbraer und Mario Fischer will weiter auf die Suche nach Geschichten in Halle und Umgebung gehen, wo er jetzt auch seine eigene Produktionsfirma hat – „die besten Geschichten liegen einfach vor der Haustür“.