09 Januar, 2005

Sex in Brno

Wie verliert man seine Unschuld?


Sex in Brno (Tschechien 2003)
R: Vladimír Moravék
D: Katerina Holanova, Jan Budar u.a.

Heute Nacht, ja heute Nacht wird es passieren. Standa sitzt im Bus nach Brno um zu seiner Olinka zu kommen. Die beiden haben sich während einer Sportveranstaltung kennengelernt und wechseln seitdem täglich Briefe. Er ist hochnervös und unsicher, denn die Tatsache, dass er die Nacht bei Olinka im Bett verbringen soll, macht ihn wenig glücklich. Man muss wissen, Standa ist ein bisschen ein Trottel, auch wenn sein Bruder versucht Zuversicht zu verbreiten und mit ihm und den guten alten Milchhörnchen das perfekte Anbringen eines Kondomes lange geübt hat. Die Olinka ist nicht trottelig, hat jedoch große Zähne und eine Glucke als Mutter, die erst einmal außer Gefecht gesetzt werden muss, will der Beischlaf auch wirklich vollzogen werden. Doch zum Glück hat die halbe Nachbarschaft nur eines im Sinn: dem jungen Paar die Unschuld zu nehmen. Also werden Schnittchen geschmiert, Schnitzel gebrutzelt und Herzchen geklebt was das Zeug hält.
Vladimír Morávek bedient sich in seinem Debut aller Elemente einer schwarzen Komödie. Der sympatische, tschechische Humor, welcher immer haarscharf am Klamauk vorbeischrammt, sowie liebenswerte Charaktere machen den Film zu einem befreiend heiteren Erlebnis. Zwar gibt es auch in Brno tragische Gestalten, unglückliche Beziehungen und am Ende einen Toten, aber Standas und Olinkas zarte Liebesbande überstrahlen mit ihrer Naivität und Unschuld allen Herzschmerz dieser Welt. Gedreht wurde auf Schwarz-Weiß-Filmmaterial und mit spärlicher Kulisse, was in gewissen Momenten an den großen Aki Kaurismäki denken lässt, nur die endlos langen Pausen im Dialog und der viele Wodka fehlen eben.