11 Mai, 2005

Der Untergang

Entmystifizierung des Teufels


Der Untergang (Deutschland 2004)
R: Oliver Hirschbiegel
D: Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara u.a.

Der Untergang Deutschlands war total. Eine Niederlage militärischer und moralischer Natur ohne Wenn und Aber. Hitler selbst war der Choreograph hinter den Ereignissen. Sein Abgang von der Weltbühne sollte nach seinem Willen auch gleichzeitig den Niedergang des deutschen Volkes bedeuten. Darüber einen stimmigen Film zu machen ist eine Herausforderung, birgt das Gengre Spielfilm doch auch immer den Faktor Unterhaltung in sich. Scheint es dann in diesem Fall zwar halbwegs angemessen, dass man die tragischen Facetten der letzten Tage vor dem Fall Berlins mit den unzähligen zivilen Opfern thematisiert, kommt die Inszenierung der Täter dagegen einem Tabubruch gleich. Dass es nun auch noch ein deutscher Drehstab unter der Produktion von Bernd Eichinger unternahm, der ureigensten Vergangenheit Gesichter zu leihen wird wohl von manchem kritischen Betrachter als Anmaßung gesehen werden: Dürfen die Deutschen sich interpretativ mit Hitler auseinandersetzen, dürfen sie im Kino sitzen und darüber lachen, wenn dieser kleine, schnauzbärtige Mann – beeindruckend gespielt von Bruno Ganz - einen seiner berüchtigten cholerischen Anfälle bekommt? Ja, darf man DEM Täter an sich eine Plattform einräumen, darf er menschlich greifbar, gar nachvollziehbar werden? Diese Fragen sind es, die Oliver Hirschbiegels Film interessant machen, wird doch der Kinobesucher gezwungen sich von teils dogmatischem Geschichtsunterricht zu befreien, nebst den unsäglichen Guido-Knopp-Dokus mit ihrer geglätteten Wahrheitsverkündung. Zwar ist auch dieser Film nicht frei von Betroffenheitsklischees, herzerweichender Musik an den richtigen Stellen und dadurch letztendlich in seiner Aussage nicht konsequent, versucht er dem detailliert inszenierten Mikrokosmos des Führerbunkers meist allzu standardisierte Bilder von „Draußen“ entgegenzusetzen. Trotzdem bringt er das in Gang was eigentlich wichtig ist: Auseinandersetzung mit der Faszination von Macht. Und an dem Mythos Hitler und seiner Entmystifizierung kommt man dabei nicht vorbei.