11 Mai, 2005

Tony Takitani

Murakami light


Tony Takitani (Japan, 2004)
Regie: Jun Ichikawa
Darsteller: Issey Ogata, Rie Miyazawa

Haruki Murakamis Erzählungen sind kleine Meisterstücke im Nicht-Erzählen. Seine Personen kommen und gehen, verschwinden in Brunnen, verlieren sich in anderen Geschichten, reden mit Katzen und haben eine fast durchscheinende Aura. Das hat ihn auch hierzulande zum Star gemacht und selbst wenn man nicht weiß, ob die Übersetzung seiner Bücher wirklich die Stimmung wiedergibt, die er erzeugen wollte, so hat doch jeder beim Lesen seine eigenen Bilder und Farben im Kopf. „Tony Takitani“ ist nach seiner gleichnamigen Erzählung entstanden, findet jedoch nur schwer in den Rhythmus, den man sich von einer Murakami-Adaption erhofft. Das Geheimnis scheint zu fehlen, der doppelte Boden, das Versteck.
Tony Takitani ist einsam schon von Kindheit an und weiß es nicht bis zu dem Moment als die elegant gekleidete Eiko sein Büro betritt. Er verliebt sich in sie, weil sie sich so gut anzuziehen weiß. Sie heiratet ihn. Er ist nicht mehr einsam. Sie gibt Unmengen Geld für Kleidung aus, was ihn sehr bedrückt. Die Pointe an dieser Stelle zu verraten wäre unfair. Aber viel mehr geschieht nicht und das könnte wunderbar sein, wenn trotzdem etwas passieren würde, wenn man Nuancen nachspüren könnte, alles im Fluss bliebe, in dem man sich in nichtstrukturierten Erzählstrukturen treiben ließe, sich verlöre und dann wieder auftauchte wie aus einem Traum. Jun Ichikawa hingegen zeigt in schönen Bildern nur eine traurige Leere, die durch wenig irritierendes Nebengeräusch gestört wird. Vielleicht jedoch hat die Autorin dieser Zeilen einfach zuviel Murakami gelesen und muss deshalb als befangen gelten, weil zu viele Bilder im Kopf – aber manche Geschichten entwickeln eben ein Eigenleben in der Seele, über die Buchseiten, die Bühne, den Abspann hinaus. Hier bleibt nur bedrückendes Schweigen.