10 Juni, 2005

Kukushka

Krieg und Liebe


Kukushka (Russland/Finnland 2002)
R: Aleksandr Rogoshkin
D: Anni-Kristiina Juuso, Viktor Brychtov, Ville Haapasalo

Kukushka, der Kuckuck, ist ein fabelhafter Film in gleich mehreren Bedeutungsebenen, der zum Glück nun auch seinen Weg in deutsche Kinos gefunden hat: zunächst war ein „Kuckuck“ für die Finnen in der Zeit des 2. Weltkrieges ein verurteilter Scharfschütze. Veiko (Ville Haapasalo) ist einer von ihnen. Da die Finnen auf deutscher Seite kämpfen, wird er als überzeugter Kriegsverweigerer zum Verräter. In einer deutschen Uniform, gut sichtbar für die russischen Kampfflieger, prometheusgleich an einen Felsen geschmiedet, soll er sterben, doch mit Klugheit und der Kraft des Feuers kann er sich retten.
Kukushka ist aber auch der Geburtsname der jungen Lappin Anni (Anni-Kristiina Juuso), die seit ihr Mann in den Krieg eingezogen wurde, ihren kleinen Hof nebst Rentieren selbst versorgen muss. Bei einem ihrer Spaziergänge findet sie die Leichen von russischen Soldaten, die sie begräbt. Doch einer von ihnen atmet noch. Anni schleppt den schwer verwundeten Ivan (Viktor Brychtov) in ihre Hütte und pflegt ihn mit einer Mischung aus Rentierblut und Milch gesund.
Als Veiko mit den Resten seiner verräterischen Fußfessel auf dem Hof erscheint, ist die Besetzung des von Aleksandr Rokoshkins lehrreich inszenierten Verwirrspiels komplett. Nicht nur, dass sich Russland und Finnland noch im Krieg befinden - Ivan hält Veiko wegen dessen deutscher Uniform sowieso für einen feindlichen Faschisten – sondern Anni, die vier Jahre lang keinen Mann gesehen hat, ist mit so viel männlicher Präsenz völlig überfordert. Allerdings stoßen ihre erotischen Phantasien auf zunächst nicht verstehende Ohren – alle drei reden und philosophieren aneinander vorbei, was das gemeinsame Alltagsleben schwierig gestaltet.
Doch der Ort des Friedens, den Annis Hof und in gewisser Weise auch ihre kindlich-naive Seele verkörpern, hilft den beiden kriegsmüden Männern auch ohne viel Worte wieder zu sich selbst zu finden. „Kukushka“ steht somit für Krieg und Versöhnung in einem.
Das eigentlich „Fabelhafte“ an der moralischen Geschichte ist jedoch die unangestrengte Natürlichkeit mit der sie zwischen mystischer Metapher und amüsanter Dreiecksgeschichte balanciert. Zu danken ist dies dreier hervorragender Darsteller, aber auch der spröden Schönheit der lappländischen Landschaft.