09 Dezember, 2005

Lost and Found

Generation im Aufbruch


Lost and Found (D, BG, RO, BA, HU, YUG, EE, 2005)
R: Nadejda Koseva, Cristian Mungiu, Jasmila Zbanic, Kornél Mundruczó, Stefan Arsenijevic, Mait Laas

Ein „Omnibusfilm“ zum Thema „Generation“ war die Idee von Nikolaj Nikitin, dem künstlerischen Leiter des Projektes „Lost and Found“. Nikitin, der das Kölner Filmmagazin „Schnitt“ herausgibt und auch als Osteuropadeligierter auf der „Berlinale“ tätig ist, fiel auf, dass es gerade in Mittel- und Osteuropa „viele sehr kraftvolle Filmemacher“ gibt. Allerdings fehle es oft an der nötigen Infrastruktur und ausreichend finanziellen Mitteln, um Filme auf „handwerklich und technisch befriedigendem Niveau zu realisieren“.
Das Filmprojekt wurde von relations – eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes - gemeinsam mit der Kölner Produktionsfirma Icon Film entwickelt.
In fünf Workshops erarbeiteten Nadejda Koseva (Bulgarien), Cristian Mungiu (Rumänien), Jasmila Zbanic (Bosnien-Herzegowina), Kornél Mundruzcó (Ungarn), Stefan Arsenijevic (Serbien / Montenegro) und Mait Laas (Estland) ein Konzept, das die einzelnen Episoden verknüpfen sollte. Die Produktion fand in den jeweiligen Herkunftsländern mit einheimischen Produzenten statt, für die Postproduktion traf man sich wieder in Deutschland.
Thematisch beziehen sich die Filme meist auf den Bruch zwischen den Generationen - ein universelles Moment – welches in den Ländern Osteuropas aber durch politische und gesellschaftliche Entwicklungen eine besondere Dimension innehat. Eine Problematik die gerade auch hierzulande ihre Zuschauer finden sollte, versuchen doch auch die Deutschen immer noch ihre neueste Geschichte aufzuarbeiten.
So führen uns die jungen Filmemacher zu einer Hochzeitsgesellschaft in ein bulgarisches Dorf, lassen uns mit einem jungen Mädchen nebst ihrem Lieblingstruthahn nach Bukarest ans Krankenbett ihrer Mutter reisen und erleben wie eine alternde Fahrkartenverkäuferin ihre Straßenbahn entführt. Die Erzählsprache ist intensiv und eigenwillig anders als in vielen westeuropäischen Filmen, stützt sie sich doch eher auf eine starke emotionale Bildebene mit metaphorischen Elementen, als auf den Dialog. Einziger Wermuthstropfen ist der Versuch einer zwanghaften Verknüpfung der Filme durch den Animationsfilm Gene+Ratio aus Estland, die sich visuell und inhaltlich nicht nachvollziehen lässt. So (be)stehen die Filme jeder für sich – vielleicht auch ein Ausdruck für das Filmschaffen einer neuen Generation in Osteuropa.