10 März, 2005

Olga Benario

Ein Leben für die Revolution


Olga Benario (2004)
R: Galip Iyitanir

Sie war ungestüm, mutig und fordernd - dass was man eine starke Frau nennt: Olga Benario. Geboren 1908 in München führte man sie schon in den Polizeiakten der Weimarer Republik als „Kommunistische Agitatorin“. Mit 17 Jahren zieht Olga nach Berlin-Neuköln und engagiert sich dort im Kommunistischen Jugendverband. Hier ist sie auch endlich an der Seite ihrer ersten großen Liebe Otto Braun, den sie später zusammen mit anderen Genossen aus der Untersuchungshaft befreit. Seither lebt sie auf der Flucht, zunächst in der Sowjetunion, dann auch in Frankreich, Großbritannien und Brasilien, wo sie für die internationale Arbeiterbewegung den antifaschistischen Widerstand vorbereitet.
All diesen Lebensstationen folgt der Regisseur chronologisch. Ein allwissender Erzähler führt uns auf Olgas Lebenspfade, hin und wieder werden besonders dramatische Ereignisse mit nachgestellten Spielszenen dargestellt. Dies ist konventioneller Fernsehdokumentarismus produziert mit höherem Budget. Doch nicht mal dem Anspruch, einen wenig überraschenden aber zusammenfassenden Blick ins Geschichtsbuch zu werfen wird dieser Film gerecht, geschweige denn der Persönlichkeit einer Olga Benario. Dramaturgisch inkonsequent und sich einer lieblosen Bildsprache bedienend, bleibt der Film eine ehrliche Annäherung an den Menschen Benario schuldig. Nur selten scheint etwas Textur durch, zum Beispiel wenn ihre Briefe zitiert werden – hier spürt man, dass diese Frau keine Intellektuelle war, eher eine Getriebene, die ihrem Bauchgefühl folgte – in der Liebe wie in der Politik. Die Filmemacher haben sich leider nicht von ihren Emotionen leiten lassen, sondern die Geschichte einer Widerstandskämpferin von der Stange abgeliefert und damit die Chance, einen Film zu machen, der Fragen aufwirft, verschenkt.